Sedlacek (2012) hat in seiner Ökonomie von Gut und Böse darauf hingewiesen, dass die Geschichte der Menschheit seit der Vertreibung aus dem Paradies mit Arbeit verbunden ist. Während diese Arbeit am Anfang wohl hauptsächlich dem eigenen Überleben durch Jagen und Sammeln diente, hat es der Markt über viele Jahrhunderte geschafft, viele Dienstleistungen zu formalisieren bzw. extern zu organisieren.

Ein spannendes Beispiel, wie solche Marktmechanismen funktionieren, ist der Begräbnismarkt. Durch externe Faktoren, kulturellen Wandel und Veränderungen in der Gesellschaft wie der Urbanisierung hat sich ein altes ehrenamtlich organisiertes Ritual in eine vom Markt erbrachte Dienstleistungen gewandelt (Akyel und Beckert, 2014). Diese Migration vom informalen in einen formalen Markt mit Bezahlmechanismen kann man für sehr viele andere Dienstleistungen ebenfalls nachzeichnen.

2016 stehen wir vor neuen Herausforderungen. 2016 ist es nicht mehr die Pest, Kriege oder die Urbanisierung, sondern die Digitalisierung. Die meisten Autoren, die sich damit beschäftigen, sehen den Fortschritt positiv, aber entwickeln kein besonders positives Szenario für den Arbeitsmarkt.

Walker (2015) beschreibt in seinem Zukunftsthriller ein Deutschland, das sich im Wesentlichen gespalten hat und in dem Technologieverweigerer als Aussteiger am Land leben. Ross (2016) sieht vor allem den Fortschritt, der sich durch Robotik, Digitalisierung und Big Data ergibt, ist aber als ehemaliger innovation advisor der damaligen Außenministerin Hillary Clinton eher nüchtern, was es für die Arbeitnehmer bedeutet. Bostrom (2014) sieht in der Entwicklung einer superintelligence die Gefahren, die sich durch die Menschheit generell ergeben können. Leben möchte man in dieser skizzierten Welt nicht.

In der aktuellen Debatte geht jedoch auch zunehmend verloren, welche positiven Auswirkungen es geben kann. Die Digitalisierung wird massiv dazu beitragen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn es etwa die Registrierkasse im Supermarkt nicht mehr geben wird, wird es dafür eher mehr Lieferfahrer geben, die die online bestellten Lebensmittel ausliefern. Die Reduktion der Marktineffizienzen wird dazu beitragen, dass man auf einem Knopfdruck Dienstleistungen bestellen wird, die bislang noch zu teuer sind. Der private Fahrer bei Uber ist ein Beispiel. Die Montage der Lampe, die Reinigung der Wohnung oder das Schneeschaufeln im Winter sind andere Beispiele für Dienstleistungen, die man per Knopfdruck gerne bestellen möchte.

Dazu wird es auch ganz neue Produkte und Berufsfelder geben. Tausende Start-Ups und nicht wenige etablierte Konzerne arbeiten an Smart-Home-Konzepten. Irgendwer wird das planen, montieren und einstellen müssen. Der 3D-Druck wird die Produktion kleiner Stückserien in der Europäischen Union wieder attraktiv machen. Das schafft Arbeitsplätze in der Industrie. Auch die Angst der Anwälte vor der Kommodifizierung ihres Wissens (vom Spezialwissen zur commodity) scheint etwas unbegründet. In Zukunft werden nämlich KMUs und Start-Ups von gesunkenen Anwaltskosten profitieren und große Konzerne können von Stichproben zu einer Überprüfung der gesamten Dokumentenstruktur übergehen. Die Digitalisierung ermöglicht aber auch die bessere Organisation ehrenamtlicher Tätigkeiten. So gibt es schon erste öffentliche Modelle, die ehrenamtliches Engagement auf Gegenseitigkeit garantieren.

Spannend bleibt die Frage, wie man solche Entwicklungen politisch begleiten kann und soll.

Literatur:
Akyel, Dominic und Jens Beckert. 2014. „Pietät und Profit: Kultureller Wandel und Marktentstehung am Beispiel des Bestattungsmarktes“. KZfSS Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 66 (3): 425–44. doi:10.1007/s11577-014-0276-3.
Bostrom, Nick. 2014. [(Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies)]. Oxford University Press.
Ross, Alec. 2016. The Industries of the Future. New York, NY: Simon & Schuster.
Sedlacek, Tomas. 2012. Die Ökonomie von Gut und Böse. Übersetzt von Ingrid Proß-Gill. München: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG.
Walker, Martin. 2015. Germany 2064: Ein Zukunftsthriller. Die Welt von morgen. Übersetzt von Michael Windgassen. 3.Aufl. Zürich: Diogenes.