Das Soziale ist immer eine Frage von Normen, Traditionen, Vorstellungen und abhängig von Zeit und Ort. So wird Kinderarbeit in London 1856 anders bewertet als in London 2016. Ebenso wird Zivilgesellschaft in Wien anders verstanden als in Dhaka.

Eine Kernfrage ist immer die Deutungshoheit über das Soziale. Wer strukturiert, entscheidet und allokiert Gelder? In Österreich hatten lange die Kirche und die Parteien und deren Organisationen diese Deutungshoheit. Durch zurückgehende Mitgliederzahlen reduziert sich allerdings deren Anspruch auf das gesellschaftliche Gestaltungsmonopol.

Dieses Vakuum wird zunehmend von neuen Akteuren befüllt. Wer sind jedoch diese neuen Akteure?

Eine Gruppe sind Sozialunternehmen. Sozialunternehmen waren zum Teil eine Reaktion auf überforderte öffentliche Budgets. Sie setzen auf Geschäftsmodelle, deren Zweck Inklusion, Integration oder die Bereitstellung einer Dienstleistung oder eines Produktes mit sozialem Mehrwert ist. Dabei verwenden sie zumindest einen Teil der eventuell anfallenden Gewinne für die Verfolgung des sozialen Ziels.

Sozialer KapitalmarktDiese Sozialunternehmen können wiederum einen sich gerade stark entwickelnden sozialen Kapitalmarkt nutzen. Sozial-ethische Banken verzeichnen zweistellige Wachstumsraten, monatlich entstehen neue Crowdfunding-Plattformen und auch institutionelle Anleger interessieren sich für Impact Investments.

Dazu kommt, dass auch Kunden verstärkt ihre Produkte nachfragen und auch junge Absolventen Karrieremöglichkeiten im Sozialsektor suchen.

Weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit hat das österreichische Sozialministerium einen Social Impact Bond verhandelt. Dabei wird ein neues wirkungsorientiertes Modell der Präventionsfinanzierung getestet. Sind die Resultate zufriedenstellend gibt es sogar eine Rendite.

Die deutsche Bundesregierung hat erkannt, dass man nicht nur technologische Innovationen sondern auch soziale Innovationen fördern muss und bereitet ein Bündel an Maßnahmen zur Förderung von Sozialunternehmen vor. Die europäische Kommission hat unter anderem  92 Millionen Euro zur Förderung des sozialen Kapitalmarkts zur Verfügung gestellt. Damit werden ethisch-soziale Banken und sog. Social-Venture-Capital-Fonds unterstützt, um Sozialunternehmen besser zu finanzieren.

Was heißt das nun alles zum Beispiel für Österreich?

Auch wenn andere europäische Länder diese Entwicklung schon vorweggenommen haben, ist es ein Trend, der wegen der Langlebigkeit und der breiten Präsenz in Österreich einen langfristigen Effekt haben. Es stellt aber auch die Kontrolle bzw. das Monopol der österreichischen Politik und insbesondere der Sozialdemokratie über die Gestaltung der Gesellschaft, der sozialen Leistungserbringung als auch der Zivilgesellschaft in Frage.